Geschichte Mehlwaage

Haus an der Mehlwaage

Im mittelalterlichen Freiburg gab es zunächst eine, später mehrere Metzingen -Schlachthäuser-, in denen wie heute an zentraler Stelle geschlachtet wurde.

Die Metzig befand sich zeitweilig auf der Grossen Gass im Bereich des Marktes.

Seit 1547 diente das Untergeschoß des Kornhauses als „Große Metzig“. 1763 schließlich wurde über dem Gewerbebach südlich des Martintores die „Untere Metzig“ gebaut, von der noch das Stechhäusle erhalten ist.

Der Straßenname Metzgerau (Schlachthausgasse) erinnert an das Hauptgebäude, das ebenso wie die 1787 errichtete „Neu-Metzig“ an der Gerberau verschwunden ist.
Anstelle des Schlachthauses entstanden mehrere Bauten.

Ein freistehendes repräsentatives Wohn und Geschäftshaus der Gründerzeit musste dem 1972 vollendeten – allerdings ebenfalls qualitätvollen – Gebäude Platz machen, das sich bewußt gegen seine Spätklassizismus und Gründerzeit geprägten Nachbarn absetzt. Prpportion und Geschoßteilung sind vom Vorgänger übernommen. Als Beispiel für Bauen in historischer Umgebung ohne Anbiederung wurde von Gerhard Assem geplante Bauwerk schon mehrfach ausgezeichnet.

Der einfache, eingeschossige Bau des Stechhäusle wird von einem hohen nach Osten abgewalmten Satteldach überdeckt.
Nach Norden zur Metzgerau liegt der Haupteingang.Über dem mittleren der drei Torbögen ist eine Steinplatte angebracht. Unter einer goldenen Krone sind die Wappenschilde Österreichs und Freiburgs auf Akanthusranken gelegt. Darunter erscheint die Jahreszahl 1767. Die ungegliederte westliche Giebelwand schmückt ein heiteres Wandbild „Turm der Hoffnungen“ von Jaroslav Kovars. Seit Mitte der 70er Jahre steht das ehemalige Stechhäusle des Schlachthauses dem Berufsverband Bildender Künste zugeordneten Verein „BBK-Werkstatt“ zur Verfügung, der hier Werkstatträume und einen Ausstellungsraum unterhält. Auch die Büroräume des Vereins und der BBK-Geschäftsstelle sin im „Haus an der Mehlwaage“ untergebracht.

Die alte Mehlwaage, ein stattlicher Bau der Renaissance von 1607, stand nördlich des Gewerbebaches und diente wie der Name sagt zum Wiegen, Taxieren und Lagern von Mehl.
Im Bereich des Gewerbebachs, der hier zur besseren Ausnutzung der Wasserkraft in zwei Arme aufgeteilt war, lagen zahlreiche Mühlen.

Das Schlachthaus war zur besseren Entsorgung direkt über einem dieser Arme errichtet worden. Um 1834/35 riß man die Mehlwaage ab und verlegte sie an den Viehmarkt (Holzmarktplatz).

Bald nach der Jahrhundertmitte löste man die überflüssig gewordene Einrichtung auf.

Zwei reich verzierte Konsolsteine von der Hauptfassade der alten Mehlwaage entdeckte man im Herbst 1985 durch Zufall in den Fundamenten der Brücke über den Gewerbebach vor dem Schwabentor.

Man hatte offensichtlich das Abbruchmaterial der Mehlwaage andernords wieder verwendet.

Die Konsolen sind inzwischen gesichert und in der Münsterbauhütte eingelagert.

Westlich der Mehlwaage lag das große Wirtshaus „Zum Hirschen“, das 1864 in „Freiburger Hof“ und 1889 abgerissen wurde.

Auf denm Grundstück vom Wirtshaus und Mehlwaage entstand 1889/90 der neue Freiburger Hof, nach Plänen des Architekten Friedrich Ploch. Später wurde er aufgestockt, wobei leider die prächtigen Turmaufsätze verloren gingen. Als Geschäfts-, Wohn- und Bürohaus ist dieser bedeutende Hotelbau der Jahrhundertwende erhalten geblieben. Die jünste Renovierung 1989 gab der Fassade den alten Glanz zurück.